Seit nun 2 Wochen besitze ich die neue Fototasche von Think Tank Photo — die Retrospective 30 in “pinestone”. Lange genug, um die Zeit mal zu nutzen und einen kleinen Erfahrungsbericht über das feine Taschendings zu schreiben. Außerdem die perfekte Gelegenheit, den Blog ein wenig zu füllen.

Vorgeschichte:

Retrospective 30 von vorne

Gute Fototaschen sind so eine Sache. Zunächst einmal sollen sie praktikabel sein, das Equipment gut verstauen und schützen. Die äußere Gestaltung steht da im Regelfall hinten an. Entsprechend sehen die meisten Fabrikate aus. Sehr hässlich, äh funktional. Wer keinen besonderen Wert auf das Styling legt, kann das natürlich verschmerzen, aber der typische Fototaschen-Look hat noch einen Nachteil: Er ist auffällig. Das mag die Foto-Objektiv-Hostenträger-Gürtel-Fraktion vielleicht nicht stören, aber wenn man etwas dezenter zu Werke gehen möchte (bspw. bei Street-Aufnahmen), bieten sich unauffälligere Modelle natürlich eher an. Zumal sich das sonst doch offensichtliche “Klau Mich!”-Schild nicht mehr auf den ersten Blick finden lässt.

Retrospective 30 von der Seite

Entsprechend hatte ich für mein altes Crop-Equipment eine Crumpler Muffin Top 5500 in einem sanften “braun” gewählt. Auch das war schon ein Kompromiss. Immerhin, es passte alles soweit rein (500D, Tokina 11-16, Sigma 30 f/1.4, Canon 85 f/1.8), verursachte nicht direkt Augenkrebs und war auch ordentlich verarbeitet. Leider empfand ich sie bei längerem Tragen als wenig bequem, aber dazu später mehr. Mit der Umstellung auf’s Vollformat respektive die 5D Mark 2 passten nur noch zwei L-Festbrennweiten rein und das war schon ordentlich eng. Es musste also eine Alternative her. Wie passend, dass Think Tank Photo ein Paar Wochen zuvor, die neue Retrospective Serie vorgestellt hatte. Da hatte ich sie also gefunden — die (fast) perfekte Fototasche.

Bestellung und Lieferung:

Außerhalb der US and A erscheint die neue Retrospective Serie offiziell erst Anfang Juli . Entsprechend habe ich sie über den Freight Forwarder Viaddress importieren lassen. Insgesamt habe ich damit ca. 20€ mehr gezahlt, als wenn ich sie hier im Laden gekauft hätte. Gütigerweise hat mich der Zoll verschont. Sonst wäre sicherlich noch mal ein gewisser Betrag hinzugekommen. Die Versandzeit betrug ca. 1,5 Wochen, was ganz akzeptabel ist, denke ich. Die Verpackung war allererste Sahne und die Tasche kam völlig unversehrt an, wobei ich mir nicht ganz sicher bin, was an der StoffTasche hätte groß kaputt gehen können. Nun denn…

Erster Eindruck und Lieferumfang:

Retrospective von hinten - das kleine Logo ist das einzige, das außen angebracht ist

Beim Auspacken war mir schon klar, “Wow, was für ein großartiges Teil!”. Die Tasche ist hervorragend verarbeitet und wirklich sehr hübsch anzusehen. Von Außen ist praktisch nicht zu erkennen, dass es sich um eine Fototasche handelt. Das Design sieht sehr nach “alter Schule” aus und trifft meinen persönlichen Geschmack voll und ganz. Alles fühlt sich sehr wertig, stabil und strapazierfähig an. Mit dem Ding kann man sicher ganz hervorragend durch die Wüste robben. Da bin ich mir sicher.

Im Lieferumfang war zunächst natürlich die Tasche, noch ein paar extra Teiler für mögliche weitere Fächer, ein Regencape für die Tasche (süß!) sowie ne Menge Papierklimbim-Zeugs, was ich natürlich nicht gelesen habe.

Größe, Lichtblicke und Schattenseiten:

jede Menge Platz...

Die Retrospective gibt’s in drei verschiedenen Größen. Ich habe mich für die 30er Variante entschieden, damit ich auch in Zukunft noch ne Linse mehr mitnehmen und insgesamt bequemer packen kann. Neben der 30er gibt es noch eine 10er (nicht ganz so breit wie die 30er) und eine 20er (breit wie die 10er, aber dafür tiefer). Maße und Vergleichsmöglichkeiten gibt’s selbstverständlich auf der Think Tank Photo Seite. Ich möchte auch nicht im einzelnen aufzählen, was denn da so alles in die Tasche passt und wie man’s unterschiedlich packen könnte. Da verweise ich lieber auf andere vor mir:

Verstaut sind hier ein Canon 24L II sowie ein 135L... in der Mitte liegt sonst gut erreichbar die 5D Mark 2 mit aufgesetztem 50L. Alle Objektive natürlich mit korrekt sitzender GeLi.

Dem kann ich nur hinzufügen, dass ich mein gesammeltes Equipment (soviel ist’s aber auch nicht) sehr bequem in der Tasche unter bekomme. Meine drei L-Festbrennweiten haben wirklich genug Platz. Da würde sicher eine Weitere noch ohne Probleme neben passen. Eine 5D Mark 2 mit Batteriegriff fühlt sich mit Sicherheit auch darin wohl. Ein Blitz ist ebenfalls sicher verstaut. Durch den vielen Platz wird das Wechseln der Objektive sehr komfortabel. Man kommt an alles gut bzw. schnell ran und muss nicht lange in der Tasche herumwühlen, um das Objektiv der Begierde zwischen die Finger zu bekommen.

Das tolle Schulterpolster

Ebenfalls sehr positiv aufgefallen ist der Tragekomfort der Tasche. Insbesondere dann, wenn sie voll bepackt und schwer ist, lässt sie sich noch sehr gut und lange angenehm tragen. Kein Vergleich zu meiner alten Crumpler-Tasche, die in rasant kurzer Zeit meine Schultern zum Jammern gebracht hat. Das Schulterpolster ist tatsächlich erste Sahne und zudem gummiert, so dass es nicht von der Schulter rutschen kann. Ein weiterer Pluspunkt ist die Option, den Klettverschluss auf geräuschlos zu “stellen”, so dass man sich das laute “Raaaaatsch” beim Öffnen sparen kann.  Sehr gut.

Die Schalldämpfer

“Not so good” ist vielleicht das Eigengewicht der Tasche, das schon mal mit 1,5 Kilo zu Buche schlägt. Vermutlich müsste man mit weniger Gewicht Abstriche bei der Verarbeitung machen, aber das wollen wir ja nicht. Ebenfalls problematisch mag für den einen oder anderen die Flexibilität der Tasche sein. Mir gefällt das gut, da sie sich so besser “anschmiegt”, aber natürlich liegen dadurch die Objektive etwas lockerer in ihren Fächern bzw. können beim Tragen etwas verrutschen. Insbesondere wenn die Kamera nicht im Fach ist und dadurch mehr “Luft und Raum” entsteht.

Fazit:

Tolle Tasche, die Think Tank Photo da entwickelt hat. Das Ding ist gut durchdacht, sehr bequem zu tragen und vor allem ein echter Nicht-Hingucker. Das schlichte Design ist wirklich toll und hindert mich nicht mehr daran, meine Kamera plus Krempel ab sofort so gut wie immer dabei zuhaben. Die netten Features “Klett-Schalldämpfer”, Schulterpolster und elend vielen kleinen Taschen zum Verstauen mannigfaltiger Dinge sind ebenfalls ein großes Plus. Ein Minus könnte für manche die Flexibilität der Fächer sein, aber das ist auch eine gesunde Portion Gewöhnungssache. Für mich ist jedenfalls das Thema “Tasche” damit für die absehbare Zukunft abgeschlossen. Was will man mehr?